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Crossing America

Jonas Deichmann

Gelesen von
27.03.2026
Gelesen bis
29.03.2026
Erfasst
29.03.2026 21:43

Jonas Deichmann durchquert die USA auf dem Rad von New York nach Los Angeles – und läuft dann in 100 Tagen die Strecke wieder zurück, täglich um die 50 Kilometer.

Deichmann legt hier ein Tagebuch seiner Reise vor. In Papierform mit diversen Fotos, das fehlt dem Hörbuch (das ich gehört habe) natürlich – ebenso wie ein bisschen Kontext, wenn er plötzlich davon schreibt, wie er beim Rennen einen Wagen hat (was ich allerdings schon wusste, weil ich die Reise via Social Media folgte, entsprechend wusste ich, was das war; als "Neuhörer" wäre ich verwirrt gewesen.

Das Tagebuch schildert eine spannende Reise und eine zweifellos besondere körperliche Reise. Aber ich frage mich: Für wen ist das hier?

Deichmann schreibt nur ab und an mal, dass man alles erreichen kann, wenn man will. Er schildert in kurzen, stichpunktartigen Kapiteln ein paar Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen, lässt hier und da ein paar Fakten der besuchten Orte einfließen. Aber hier fehlt vor allem das Warum, Wie, die Lesererkenntnis.

Man reist mit Deichmann mit. Aber irgendwie hatte ich immer die Frage: Was soll dieses Buch? Für wen ist das? Ehrlich: Hätte ich es gelesen, wäre ich nicht über die Hälfte hinweg gekommen. So habe ich es als Hörbuch frei auf Spotify in 2,5-facher Geschwindigkeit an mir vorbeiflitzen lassen.

Tobias Schlegl Wander-Abenteuer-Buch war ähnlich, hatte aber wenigstens noch Witz und berichtete von der wachsenden Beziehung zwischen ihm und seiner mitwandernden Mutter. Aber Deichmann … lässt mich am Ende zurück und ich nehme nichts mit außer „Wow, beeindruckend“. Aber irgendwie hätte ich gern mehr gewusst - zu seiner Ausrüstung, Vorbereitung, den Lehren die er auf seiner Reise zieht.

So ists eine Reise durch die USA, die mir sagt: Ostküste nett, Mitte karg, Westküste sonnig, Las Vegas ein Molloch, und alle Menschen nett außer diesem einen Pick-Up-Fahrer. Ach, und die Go-Pro-Kamera wurde verloren (die wirklich "spannendeste" Geschichte im Buch) und ansonsten kann das jeder andere auch – sagt zumindest Deichmann.

Nicht missverstehen: Deichmanns Leistung ist atemberaubend, seine Abenteuer – die sich via Social verfolgen lassen – der Wahnsinn. Aber irgendwie hatte ich mir für einen Profi und Keynote-Speaker ein bisschen mehr vom Buch erhofft.

Christine Thürmers "Laufen. Essen. Schlafen. Eine Frau, drei Trails und 12700 Kilometer Wildnis" ist ähnlich, dem hatte ich 3 Sterne gegeben.