♥ Favorit
Die besten Filme sind die, bei denen man noch sitzt, während der Abspann läuft – und nicht, weil man auf eine After-Credit-Scene hofft, sondern, weil er nachwirkt. 'A House of Dynamite' ist so einer.
Der Film handelt von einer Atomrakete, die auf die USA zusteuert. Wir erleben 20 Minuten vor dem Einschlag mit, wobei das gleiche Szenario aus drei Perspektiven erzählt wird. Dabei reichert jede Perspektive das Szenario an, und ermöglicht es einem als Zuschauer selbst zu hinterfragen wie man handeln würde. Neue Informationen bekommt man nach den ersten 20 Minuten nicht mehr, aber gerade dadurch steht man in den gleichen Schuhen wie die Protagonisten und ist als Zuschauer zu keinem Zeitpunkt schlauer. Gleichzeitig wälzt man sich immer mehr hin und her, weil man natürlich dreimal so viel Zeit hat, Personen, Entwicklung und Worte weiter zu beobachten – mit jeder Perspektive rutscht man näher ran, wie unter dem Mikroskop.
Dass der Film einem dann ein "Finale" verwehrt, macht es nur um so beklemmender. Jede "billige" Version eines Films hätte uns versucht ein Ende, eine Botschaft, einen explodierenden Planeten oder dergleichen ins Gesicht zu drücken. Kathryn Bigelow lässt uns aber ohne dergleichen zurück und steigt vor dem Einschlag aus, vor dem Moment, in dem sich der Präsident für den Gegenschlag entscheiden muss.
Der Film schafft – trotz er sich inhaltlich wiederholt – in jedem Durchlauf beklemmend und fieberhaft zu bleiben. Das liegt nicht nur an der Kamera, die an eine Doku erinnert und der Glaubwürdigkeit hilft. Dazu kommt die Musik und ein sehr gutes Schauspieler-Ensemble, dem man dabei zuschaut wie es sich ob der Unfassbarkeit an Ablaufpläne klammert.