Staffel 1, Episode 4 - Vox in Excelso
Eine Angewohnheit von New-Trek ist, alles zu erschüttern. Nachdem Star Trek 9 bei den Romulaner angesetzt hat, lernen wir diesmal, dass der Brand das Klingonische Reich in die Knie zwang – das Volk ist vom Aussterben bedroht. Dass die Klingonen isolationistisch sind ist indes nicht überraschend.
Nun verbinden sich hier natürlich – so will es das Seriengesetz – galaktische mit sehr persönlichen Fäden: Jay-den ist mal zum Glück kein Waise, aber eben doch ein Ausgestoßener. Das Klingonische Reich ist auf der Suche nach einem neuen Heimatplaneten. Und all das kommt zusammen, während Jay-dens Familie vermisst wird und der Kadett die Lösung für ein galaktisches Problem löst, auf das kein noch so schlauer Föderations-Diplomat kam. Friede Freude Eierkuchen.
Über diese Zufälle muss man am Ende hinweg sehen; dass stets unsere Hauptcharaktere im Fokus der Galaxie stand war bei Discovery nicht mehr zu ertragen, aber auch schon zu TNG-Zeiten insbesondere um die Figur Worf herum schlichweg gegeben.
Daher: Das kann ich bestens ignorieren.
Das also einmal Beiseite finde ich die zentrale Frage der Folge spannend: Darf – oder sogar: muss – man ein vom Aussterben bedrohtes Volk gegen seinen Willen umsiedeln? Eine zutiefst Trek-typische Frage. Die löst man im Debattierclub – und da liegt auch ein bisschen der Krux, denn da hätte ich mir ein bisschen mehr als bloß Floskeln gewünscht.
Die Wandlung von Caleb Mir vom Anti-Held zum Super-Held scheint in Episode 4 schon auserzählt. Die Reise war in Folge 3 schon angedeutet, sie kommt nicht zu überraschend – aber ging dann doch sehr sehr schnell von statten. Ich bin mal gespannt, ob es in Folge 5 wieder umschlägt. Hier kam er mir jedenfalls schon zu sehr "glattgebügelt" und perfekt rüber. Was auffiel: Die Episode kommt größtenteils ohne Humor oder den Slapstick aus, den wir in den bisherigen Folgen hatte. Alles ist sehr dramatisch und groß, da wirkt Starfleet Academy hier tatsächlich diesmal schon ein bisschen zu sehr wie seine Mama Star Trek: Discovery. Die Leichtigkeit im Zwischenmenschlichen darf für die nächste Episode gern wieder ein bisschen zurückkommen.
Die Episode ist wichtig für die Figurenentwicklung von Jay'den. Aber auch von Lura Thok – zum ersten mal tritt sie hier nämlich als ernsthafte Figur auf. Das gibt ihr Tiefe. Gut so.
Insgesamt zog sich die Episode verglichen mit den vorangegangenen Episoden ein bisschen. Das lag nicht an den Debattier-Auseinandersetzungen; im Gegenteil - es lag eher ein bisschen daran, dass die nicht tief genug gingen. Insgesamt aber machen wir Schritte nach vorn und am Ende bleibt eine ziemlich "trekige", solide Episode of the Week.