Star Trek - Starfleet Academy
S01E01 · Kids These Days
- Geschaut am
- 16.01.2026
- Erfasst
- 16.01.2026 23:57
Figuren
Viele neue Namen. Gehen wir mal durch: Nahla Ake – die 'Kanzlerin', unser neuer Captain. Ich liebe die Darstellung von Holly Hunter, um ehrlich zu sein. Ake ist mal ein anderer Captain; sehr orientiert an Commander Pelia aus SNW, die von Carol Kane mit viel Spaß gespielt wird. Ake ist Halb-Lanthanitin, Pelia Voll-Lanthanitin, da sind dann eben die Gemeinsamkeiten naheliegend.
Commander Lura Thok – die neue Nummer 1; ein Jem'Hadar-Klingonen-Mischling. Ich
Caleb Mir – der arrogante Schnösel; Entschuldigung: das Wunderkind, Held der Serie sowie Zögling und Schuldgefühl auf zwei Beinen für Ake. Bisschen viel, erinnert an Dal R'El aus Prodigy.
Jay-Den Kraag – der Quoten-Klingone, aber mal einer, der scheu und der Wissenschaft zugeneigt ist
Genesis Lythe – die hübsche Schlaue, mit Admiral als Daddy, leitet wahrscheinlich irgend eine Studentenverbindung irgendwann …
Tarima Sadal – die Tochter des Premierministers von Betazed
SAM – meganervige "holografische Lebensform" … dazu komme ich noch.
Der Doktor – ja, der Doktor von der Voyager; mehr als Comedy- und Gesangseinlagen wird er wohl nicht beisteuern
Nus Braka – der Bösewicht, die Space-Version von Jack Sparrow im Körper von Schauspieler Paul Giamatti. Halb-Tellarite, Halb-Klingone.
Darem Reymi – Die Entsprechung des Football-Teamchefs in jeder Teenie-Komödie
Handlung
Irgend eine Frau hat ein Geheimnis mit ihrem Wunderkind, aber auch ein Problem. Ake trennt Mutter und Wunderkind. Wunderkind entkommt und schlägt sich als Räuber durch (hatten wir das nicht schon so ähnlich in Picard?). Ake wird Kanzlerin der neuen Starfleet Academy, die auf einem Raumschiff Zuhause ist, findet Wunderkind und holt es wegen Schuldgefühlen aus dem Knast an die Academy. Schiff fliegt von irgendwo zur Erde (über der Erde sieht es genauso aus wie der Ort, von dem sie gestartet sind). Auf dem Weg zur Erde fliegt man an den Badlands vorbei, wird vom dort lauernden Bösewicht angegriffen, der irgendwas mit Wunderkind und seiner Mutter zu tun hat. Die Kids retten den Tag, man erreicht die Erde. Fertig.
Kritik
In Episode 1 bekommen wir die Geschichte unseres Helden erzählt – wie bei Star Trek-Discovery steht eigentlich nicht die Brücken-Crew im Mittelpunkt, sondern eine Figur von der Seitenlinie: Caleb Mir. Ein Kind, das von seiner Mutter getrennt wird, sich 15 Jahre allein durchschlägt und dann diverse neue Chancen bekommt … Mit "divers" meine ich: In jeder Episode offenbar mindestens 2. Zumindest in Episode 1 und 2.
Nahla Ake ist diejenige, die ihn damals von seiner Mutter getrennt hat und verlor, weshalb sie Schuldgefühle plagen. Mehr Background-Geschichte hat sie derzeit noch nicht, trotzdem gelingt es Hunter, die Figur mit einer gewissen Glaubwürdigkeit und Wärme zu spielen.
Wir begegnen direkt auch dem Bösewicht: Nus Braka, einem Weltraumpiraten. Der ist recht überdreht, allerdings frage ich mich schon, wie Starfleet seine Gefangenen im 32. Jahrhundert behandelt, wenn man den Mann mit Halskrause und elektrischen Stößen in den Saal des Standgerichts bringt.
Nach 10 Minuten jedenfalls ist unser Held Mir erstmals in eine derbe Klopperei verwickelt – bevor ihn unser Starfleet-Offizier später rettet. Das hatte schon ein bisschen Kirk-Pike-Vibes aus dem 2009er Star Trek-Film; aber ich bin alt, wahrscheinlich erinnert sich daran eh niemand mehr.
Dann geht es ab auf die USS Athena. Unserem Hero-Schiff. Schickes Design; mag ich. Das größte Problem, dass ich in New Trek habe: Das 32. Jahrhundert sieht genauso aus, wie das 23. oder 25. – die Brücken von Discovery, SNW, Picard und Academy sehen alle recht gleich 'shiny' aus. Ich liebe die Größe des neuen Sets aber. Auch, dass die neue Brücke so rund ist und wir ein Geländer zwischen Navigation und Captain haben: Mag ich. Das ist fresh. Allerdings hat sie auch ein bisschen US-Dinner der 1950er Jahre-Vibes.
Die Einführung von Lura Thok indes ist eine einzige Slapstick-Nummer. Der Höhepunkt der Dümmlichkeit ist allerdings der erste Auftritt des Doktors, vor den eine Schülerin tritt, die ihre Comm-Abzeichen verschluckt hat?! Wie dumm sind denn Menschen im 32. Jahrhundert? Auch später nochmal gibt es Momente, in denen die Seriösität der Serie so mit Slapstick-Nummern durchbrochen werden, die einfach die komplette Immersion brechen – bspw. nachdem Kraag Thok das Leben rettet und sie ihn mit einem freundschaftlichen Klaps quer durch den Raum schleudert.
Was ich massiv übergriffig fand: Die "Erscheinungsregulierung" – die Kadetten gehen durch einen Beamer und werden darin in Uniform gesteckt und bekommen die Haare geschnitten? Wo sind wir denn?
Die Einführung der Brückencrew finde ich toll. Wenn man den Charakteren schon keine richtigen Szenen gibt – weil sie eben nicht unsere Hauptakteure sind – dann gern so. Passte.
Kommen wir mal zu SAM, dem neuen holografischen Charakter. Dem Charakter, der mit seiner Überdrehtheit alle anderen nochmal überstrahlt und eine Version von Tilly aus Discovery auf Ecstasy ist. Nervig. Aber ich habe konzeptionelle Fragen: SAM ist ein eigenständiges Hologramm. Offenbar gibt es einen Planeten, auf dem Hologramme leben, die dann andere Hologramme programmieren. SAM ist vier Monate alt. Nun gibt es im 32. Jahrhundert programmierbare Materie … wieso erschaffen Hologramme dann neue holografische "Menschen"? Und wie genau funktionieren die – ich habe weder an SAM noch dem Doktor die "veraltete" (aus dem 29. Jahrhundert kommende) Technologie eines holografischen Emitters gesehen. Wo genau speichert und projeziert man das Hologramm – im magischen Kommunikator? Okay, dann aber die Frage: Der Doktor sagt später, beim Angriff auf die USS Athena, dass die "meisten holografischen Emitter ausgefallen" seien, weshalb kein medizinisches Personal da sei … Mal abgesehen davon, dass ich das für ein massives Problem halte, gibt es dann doch keine mobilen Emiter?
Kurz auch die Frage: Der Doktor sagt, er habe einen Alterungsalghoritmus in sich eingebaut, der den Menschen helfen soll, ihn zu akzeptieren, weil er ja altert. Aber wieso sollte es Menschen besser gehen, wenn der Doktor in 500 Jahren so sehr altert, wie normale Menschen in 20?
Jedenfalls: Auf dem Weg zur Erde wird das mit Kadetten befüllte Raumschiff von unserem Bösewicht angegriffen. Lassen wir mal den Zufall und all das beiseite. Aber: Wieso darf der Bösewicht nach dem Angriff auf das Schiff als Hologramm frei auf der Brücke rumlaufen?
Mein größtes Problem mit modernem Trek – und Academy, neben den Slapstick-Einlagen – ist die Sprache. Star Trek war sprachlich immer recht neutral. Man verwendete keine Sprache aus der jeweiligen Epoche. Man fluchte nicht, man sprach etwas "gehobener". Auch das macht Trek zeitlos, weil es sich dadurch nicht nach 60er oder 90er Jahren anfühlt. In modernem Trek und massiv in Academy nutzt man Jugendsprache – und Sprache, die 'dreckiger' ist – hier wird "Bitch", "Arschloch", "Idiot" benutzt. Ich verstehe, dass das "cool" sein soll, finde es aber faul.
Unser Bösewicht hat fiese Comic-Bösewicht-Vibes. Wie auch Lura Thok ist Nus Braka ein Comic-Relief. Ein Toll, um "lustig" zu sein. Aus irgendeinem Grund falle ich darauf rein und mag beide Figuren, auch wenn sie mir irgendwie ein bisschen drüber sind – aber ich kauf das für den Moment und freue mich, wenn die beiden mal aufeinander treffen. Mal sehen – sie brauchen beide noch etwas Tiefe.
Nach dem Angriff retten die Kids den Tag – yeah. Und zu den Tönen einer Interpretation von "San Francisco" von Scott McKenzie fliegt unser Helden-Raumschiff in San Francisco ein – ein bisschen zu sehr mit dem Hammer gezimmert und kitischig; und auch hier kommt wieder die Obsession modernen Treks mit "Trends" zum Vorschein.
Fazit
Starfleet Academy ist eine Coming of Age-Serie. Euphoria meet Star Trek. Das ist okay, auch wenn ich von der Idee nie überzeugt war. Man versucht hier war – und den Versuch finde ich gut; innerhalb von Trek kann man unendlich viele Variationen von Geschichten und Orten erzählen.
Warum man sich immer wieder für Geschichten entscheidet, in denen Waisen, Wunderkinder und rachsüchtige Bösewichte zusammentreffen – wer weiß. Immerhin ist – zumindest aktuell – mal nicht das ganze Universum in Gefahr, wie in den letzten Staffeln von Discovery und Picard. Puh!
Der Pilotfilm gefällt mir. Ich finde alle Kadetten ein bisschen sehr schnöselig, aber ich bin auch alt. Ich erfreue mich mehr an unserem neuen Captain (Dekanin) und ihrer Nummer 1. Was Robert Picardo als Doktor da jetzt tun soll: keine Ahnung, wieso er da ist. Aber ich fand Picardo in seiner Doktor-Darstellung schon immer wenig gut.
Der "Produktionswert" der neuen Serie ist WILD – Sets, Effekte, … Da quellen einem die Augen über. Allerdings kommt das dann eben auch so rüber, als würde man Schauwert vor guten Geschichten setzen. Leider auch in den letzten Jahren ein zunehmendes Problem.
ABER der Pilotfilm hat mir gefallen. Die Story ist okay, die Figuren haben alle ihre Momente, in denen sie uns hervorragend vorgestellt werden. Das war gut. Wirklich! Freue mich auf Episode 2.